aktiverleben - Ausbildungswochenende
 
2014-01-01
 
   

Die Begeisterung für unsere Bergwelt – Spaß an der Bewegung in der Natur – das Testen sportlicher Freizeitmöglichkeiten – aber auch die Vorbereitung auf eine Alpenüberquerung : nur eine kleine Auswahl der zahlreichen Beweggründe für die Anmeldung zum Bergseminar mit dem Alpenverein.

Dies erfuhr ich, als ich mich Anfang Mai zusammen mit ca. 40 anderen TeilnehmerInnen zum ersten Theorieabend eingefunden hatte. Mit so vielen gemeinsam in die Berge? Ob das eine gute Idee war? Leicht skeptische Blicke – nicht nur bei mir.

Wir lernten unsere Tourenguides kennen und schon folgte die erste Vortragseinheit. Vollgepackt mit Informationen über die zweckmäßige Ausrüstung, das Packen der Rucksäcke, die Kunst des „WEG-Lassens“ und Informationen zur ersten Tour. Mit der Empfehlung, das Wetter zu beobachten und vorab schon einmal einen Blick in die entsprechenden Karten und auf die jeweiligen Internetseiten zu werfen, wurden wir spät am Abend entlassen.

Rottachberg – Auf dem Falken

Bei wolkenverhangenem Himmel mit vereinzelten Regentropfen starteten wir dann am Muttertag von Rettenberg aus hinauf auf den Falkenstein. Es war eine moderate Einstiegstour. Gabi und Ewald führten uns auch ohne ständig erkennbaren Pfad sicher über regennasse Viehweiden, den zum Teil bewaldeten Nagelfluhgrat entlang hinauf zum felsigen Kamm. Unser erster Gipfel wollte sich an diesem Tag nicht besonders gastlich zeigen. Die eigentlich wunderbare Aussicht hinab ins Illertal fiel Regen und Wind zum Opfer. Aber ein gemeinsames Gipfelfoto war Pflicht. Die Brotzeit wurde im Schutz von Büschen und Bäumen ein wenig unterhalb im Stehen eingenommen und der Rückweg führte uns im Wald über einen Steig zum Teil steil bergab. Als wir auf einem flacheren Fahrweg an Blumenwiesen entlang mit Gleichgewichtsübungen beschäftigt waren, blinzelte die Sonne hervor und die blauen Lücken am Himmel wurden immer größer. Wir wanderten trockenen Fußes gemütlich zurück und dabei blieb ausreichend Zeit und Luft zum Ratschen. Unsere abschließende Einkehr in Rettenberg wurde sogar von Sonnenschein begleitet. Obwohl wir das Wetter zu Beginn sehr kritisch beäugt hatten, hat diese erste Tour schon sehr viel Spaß gemacht und die anfängliche Skepsis wich schnell einer kleinen Vorfreude auf die nächsten Touren.

Am darauf folgenden Freitagabend kämpften wir mit Karten, Kompanten und unseren GPS-Geräten. Wetterkunde, das Aussehen besonderer Wolkenformationen und unsere Hausaufgaben zum Kartenlesen standen am dritten Theorieabend auf dem Programm. Ewald hatte immer sehr viele Informationen für uns vorbereitet. Auch die nächsten Touren sollten geplant, Höhenmeter, Wegstrecke und Laufzeit berechnet werden. Es waren anstrengende aber sehr aufschlussreiche Abende, die wir meist in kleiner Runde dringend beim Italiener ausklingen lassen mussten. Und ich freute mich auf die zweite Tour um Immenstadt herum.

Immenstädter Horn / Gschwendner Horn

Bei strahlendem Sonnenschein machten wir uns am Sonntag auf den Weg von Gschwend hinauf. Diesmal konnten wir unsere Brotzeit am Gipfel genießen, die tolle Aussicht hinunter zum Alpsee und mit dem Gschwendner Horn gleich den nächsten Gipfel als Erfolg verbuchen. Alfred, Emil, Frank und Renate gestalteten den Rückweg durch den Wald mit verschiedenen Übungen zur Trittsicherheit und Informationen zur Bergrettung sehr kurzweilig und auch hier blieb Raum zum Austauschen und Kennenlernen der anderen Teilnehmer. Schnell entstand ein sehr angenehmes Miteinander.

Iseler

Auch zur dritten Tour begleitete uns gutes Bergwetter über den Kühgundrücken hinauf zum Iseler. Die zu steigenden Höhenmeter lagen jetzt schon bei ca. 1000 und uns wurde bewusst, wie unterschiedlich alpines Gelände sein kann. Hier forderten einzelne Passagen hohe Konzentration und Trittsicherheit und auch die Kondition musste jetzt schon für 5 Stunden ausreichen. Nicht ganz ohne Stolz und mit großem Respekt blickten wir am späten Nachmittag vom Parkplatz aus zurück auf die felsige Strecke, die wir gemeinsam gemeistert und am Gipfel entsprechend gewürdigt hatten.

Koflerjoch

Ein Traumtag erwartete uns zur vierten Tour hinter dem Grenztunnel. Die Sonne strahlte von einem wolkenlosen Himmel als wir uns an den 2 ½ stündigen, bald schon sehr Schweiß treibenden Aufstieg machten. Über einen gut markierten Steig ging es etliche Kehren entlang durch Waldstücke und über zum Teil steile Weidehänge hinauf zum Gipfel. Dort belohnte uns ein grandioser Blick hinein in die Ammergauer und Tiroler Berge und Richtung Säuling für die Anstrengung. Um uns für den Rückweg ein wenig Abwechslung zu bieten, startete Ewald mit einer kleinen Gruppe zum Orientierungslauf über den Dürrenberg. Er führte uns sicher durch wegloses Gelände, über und unter duftenden Latschen hinweg die Staatsgrenze entlang zurück zur Dürrenbergalpe. Wir haben viel Gelacht, gute Gespräche geführt, über Noppensocken und –strumpfhosen philosophiert und auch schon die ersten Punkte zur Wahl des Mister-Mountain vergeben. Es war die letzte Tour vor dem Hüttenwochenende und da wir schon wussten, dass die Gruppe dafür sehr viel kleiner werden wird, fiel uns der Abschied dort schon sichtlich schwer.

Memminger Hütte

Ein kleiner Kreis von elf Teilnehmern machte sich Mitte Juli auf zum Ausbildungswochenende auf der Memminger Hütte. Diesmal waren die Wetteraussichten nicht allzu rosig. Im Lechtal schien jedoch die Sonne und auch beim Start an der Materialseilbahn war es zumindest vom Himmel her trocken. Der Weg jedoch ziemlich matschig und unwegsam. Was zum Teil am Regen der vergangenen Tage und an den Baumaßnahmen zum neuen Kraftwerk für die Hüttenversorgung lag. Wir staunten nicht schlecht als wir auf halbem Wege auf die zwei Bagger stießen, die selbst in die Höhe gestiegen waren. Auf ca. 2000 m Höhe hätten wir mit einer solchen Baustelle nicht gerechnet.

Mit jedem Schritt wurden die Hosenbeine schmutziger und der Matsch unter unseren Schuhen höher. Keiner traute es sich zu sagen, aber schon langsam dachten wir an unsere Gewicht-Sparerei beim Packen der Rucksäcke und daran, wie wir nun bergauf kiloweise Schlamm an den Bergschuhen ansammelten. Das tat aber dem Spaß am Aufstieg keinen Abbruch und wir kamen gegen 19 Uhr gerade noch pünktlich zum Abendessen. Auch wenn uns die zahlreichen Murmeltiere am Wegesrand in äußerst fotogener Position eine Pause geradezu aufdrängten. Die Nacht war nicht besonders ruhig und der Schlaf eher ein Ruhen.

Am Samstag ging es nach dem Frühstück und dem aufwärmenden Frühsport hinauf Richtung Seescharte. Nun war es an uns selbst, den richtigen Weg zu finden, die Gruppe sicher und in passendem Tempo zu führen. Abwechselnd übernahmen wir im Team diese Aufgaben und konnten hautnah erfahren, dass das geübt werden muss und nur mit gegenseitiger Rücksichtnahme und einem wachen Blick für die alpinen Gegebenheiten gut funktionieren kann. Wir lernten die verschiedenen Geröllarten kennen, das Gehen und Abrutschen darin. Wir überquerten Schneefelder und übten das sichere Stoppen. Erstaunlich wie gut und einfach das mit den richtigen Bewegungen gelingen kann. Und Spaß hatten wir dabei auch – und nicht zu knapp.

Wir kletterten hinauf auf das felsige Seeköpfle und suchten für den Rückweg zur Hütte eine extra Geröllroute aus. Zurück auf der Hütte wurde nach verdienter Kaffeepause noch fleißig an großen und kleinen Reepschnürln geknotet und geschlungen. Ganz Wagemutige trauten sich auch noch an das Abseilen von der Hütte hinab – in manchem Fall hauptsächlich wegen der spektakulären Fotos.

Während diesem gemeinsamen Bergsommer sind wir zu einer echten Gemeinschaft zusammengewachsen. Wir haben hautnah erfahren, wie wertvoll ein gutes Team ist, das sich gegenseitig unterstützt und ergänzt. Auch wenn Ewald unseren Gruppengeist in manchem Moment scherzhaft schon nahe an der Meuterei sah. Und erlaubt mir bitte noch diesen sehr persönlichen Satz: Danke für diesen unvergesslichen Berggeburtstag in dieser tollen Gemeinschaft und an diesem wunderbaren Platz!

Inzwischen war die Hütte gut gefüllt – zahlreiche E5-ler machten sich am Sonntag auf den Weg. Wir starteten jedoch hinauf auf den grasgrünen Seekogel, der seinen Gipfel eisern in Wolken hüllte. Doch wie bestellt zogen sie für uns dann einen kurzen Moment auf. Wir konnten hinter dem Gipfelkreuz hinaus in die Lechtaler Alpen sehen und ein kleines Loch gab den Blick hinunter zur Hütte frei. Der Rückweg über regennasses Gras, feuchte Steine und Matsch war anstrengend aber eine gute Übung für den Abstieg hinab ins Tal. Erst kurz vor dem Ziel erwischte uns dann doch noch der längst angekündigte Regen. Aber mit der Aussicht auf trockene Kleider im Auto und das Ende der Tour war das schon gar nicht mehr von Bedeutung und zum Abschluss trafen wir uns traditionell im nächsten Cafe.

An die Stelle der anfänglichen Skepsis beim ersten Theorieabend ist im Verlauf dieser gemeinsamen Touren schnell das Gefühl einer Bergfreundschaft getreten. Der erste (Foto)Stammtisch wurde gleich noch im Juli angesetzt – Ideen und Tourenvorschläge geistern in den Köpfen herum und warten auf eine Umsetzung.

Es war ein toller Bergsommer . . .
mit sehr netten Menschen und wertvollen Erfahrungen,
die sich - wie ich finde - ganz gut im Zitat von W. Raabe spiegeln:

Was vergangen kehrt nicht wieder -
aber - ging es leuchtend nieder -
leuchtet’s lange noch zurück.

Für das DAV-Bergwanderteam aktiverleben 2014

Alexandra Hanßum

zurück